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Neue Brücke für die Energiekooperation: Hamburg und Japan eröffnen Forschungshub für grünen Wasserstoff und E-Fuels From Hamburg to the World: Interview mit Prof. Dr. Mehtap Özaslan von der Universität Hamburg

Erneuerbare Energien bilden das Herzstück der Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Japan. In den letzten Jahren rückt die forschungsorientierte Kooperation zwischen den Universitäten beider Länder stärker in den Vordergrund. Am 09. März 2026 wurde der Japanese-European Clean Energy Material Research Hub an der Universität Hamburg eröffnet. Die Einrichtung soll als eine zentrale Plattform dienen, um gemeinsame Aktivitäten in der Energiewende, insbesondere im Wasserstoffthema zu bündeln und zu unterstützen.

In wenigen Wegen wird das EEHH-Cluster die Universität Hamburg zur Teilnahme an der Smart Energy Week in Tokio begleiten. Darüber hinaus ist ein gemeinsamer Besuch in der Präfektur Fukushima geplant, um laufenden Forschungsaustausch zu vertiefen.  

Im Interview mit EEHH-Cluster erläutert Prof. Dr. Mehtap Özaslan, Universität Hamburg, den Hintergrund zu dem neuen gegründeten Forschungshub und die Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit.  

EEHH: Guten Tag Frau Professorin Özaslan. Im Oktober 2024 sind Sie an die Universität Hamburg berufen worden. Können Sie uns kurz Ihren bisherigen Werdegang erläutern? Und welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt Ihre Arbeit hier in Hamburg?

Prof. Özaslan: Moin Herr Shi. Sehr gerne. Seit Oktober 2024 leite ich die Arbeitsgruppe Technische Elektrokatalyse an der Universität Hamburg. Dorthin bin ich von der TU Braunschweig gewechselt, wo ich seit 2019 schon als W3-Professorin tätig war. Zuvor hatte ich fünf Jahre lang eine Juniorprofessur an der Universität Oldenburg. Meinen Postdoc sowie meine Promotion habe ich am Paul-Scherrer-Institut in der Schweiz und an der TU Berlin absolviert.

Inhaltlich beschäftigen wir uns mit den elektrochemischen Prozessen an der Grenzfläche zwischen Elektrode und Elektrolyt auf verschiedenen Zeit- und Längenskalen. Unser Ziel ist es, daraus ein besseres Verständnis zu gewinnen, um maßgeschneiderte poröse Elektrodenmaterialien für Wasserelektrolyseure und Brennstoffzellen zu entwickeln.

EEHH: Wasserstoff ist ein gutes Stichwort. Innovationen und die globale Nutzung von Wasserstoff leben vom internationalen Austausch. Japan ist für Deutschland ein wichtiger Partner in diesem Technologiefeld. Wie kam es zu dieser engen Verbindung mit Japan und der University of Yamanashi?

Prof. Özaslan: Unsere intensive und vertrauensvolle Kooperation mit der University of Yamanashi begann im Jahr 2022 durch eine Förderung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Diese Förderung war ein entscheidender Baustein für den Aufbau und die Intensivierung der Zusammenarbeit mit unseren japanischen Kolleg*innen. Auch die hervorragende Unterstützung vor Ort, etwa durch das DWIH Tokyo (Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus) sowie durch die Deutschen Botschaft in Tokyo- hat uns dabei sehr geholfen.

Wissenschaftlich kannten wir uns bereits von verschiedenen internationalen Konferenzen. Die University of Yamanashi gehört weltweit zu den Vorreitern im Bereich der Clean Energy Nanomaterial Research. Erste Arbeiten zu Brennstoffzellen wurden dort bereits im Jahr 1978 durchgeführt. Diese lange Forschungstradition zeigt auch, warum Japan heute weltweit als Pionier im Bereich der Wasserstofftechnologien gilt.

Eröffnungsfeier des Forschungshubs, Foto: JACKZ Productions

EEHH: Anfang dieser Woche wurde wurde das Japanese-European Clean Energy Material Research Hub eröffnet. Was ist aus Ihrer Sicht ein wichtiger Faktor für diese vertrauensvollen Partnerschaft?

Prof. Özaslan: Ein wichtiger Punkt war sicherlich der große Erfolg der University of Yamanashi im J-PEAKS Programm (the Program for Forming Japan’s Peak Research Universities), das thematisch auf Clean Energy, Nachhaltigkeit und Internationalisierung ausgerichtet ist. Als Förderprogramm zielt J-PEAKS darauf ab, die Forschungskompetenzen der japanischen Universitäten zu stärken. In einem sehr kompetitiven Verfahren wurden lediglich 25 japanische Universitäten ausgewählt. Das Programm ist mit der deutschen Exzellenzinitiative vergleichbar. Die Universität Hamburg ist hier sehr erfolgreich. Erneut wird sie als Exzellenzuniversität für die Jahre 2027 bis 2033 gefördert.

EEHH: Was sind die nächsten Ziele?

Prof. Özaslan: Unser neu gegründeter „Japanese-European Clean Energy Material Research Hub“ mit der University of Yamanashi soll als Ankerpunkt für zukünftige Aktivitäten im Bereich grüner Wasserstoff und e-Fuels mit weizteren europäischen Einrichtungen.

Ziel des Research Hub ist es, ein starkes Forschungsnetzwerk aufzubauen und als Inkubator für Vernetzung, Austausch und gemeinsame Forschung zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in Europa und Japan. Dieser Hub ist der erste dieser Art. Weitere sollen im Rahmen des J-PEAKS Programm in Nordamerika und Asien folgen. Dadurch wird eine weltweite Plattform entstehen, auf der nicht nur exzellente Wissenschaft und Technologietransfer stattfinden können, sondern auch sich Forschung, Industrie und Politik austauschen.

Dies entspricht auch unserem Motto: Globail thinking, local acting.

EEHH: Hamburg und die Präfektur Fukushima verbindet eine lange Partnerschaft mit Fokus auf erneuerbare Energien. Welche Chancen ergeben sich daraus für eine intensivere, forschungsorientierte Zusammenarbeit?

Prof. Özaslan: Die Präfektur Fukushima hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung im Bereich erneuerbare Energien erzielt. Besonders die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen und Wasserstofftechnologien stehen im Mittelpunkt. Zudem ist die Fukushima University ein Kooperationspartner der University of Yamanashi im Rahmen des J-PEAKS-Programms. Deshalb freut es mich sehr, dass Hamburg hier ebenfalls einen Beitrag leisten kann. Forschung dient an dieser Stelle als eine Brücke zwischen den beiden Ländern, um die Zusammenarbeit zu unterstützen.

EEHH: In wenigen Tagen findet die Smart Energy Week in Tokyo statt, an der wir als Cluster mit Ihnen gemeinsam teilnehmen werden. Auch ein Besuch in Fukushima steht auf dem Reiseplan. Was ist Ihre Erwartung von dieser Reise?

Prof. Özaslan: Ich freue mich sehr auf den persönlichen Austausch mit den Kolleg*innen vor Ort. Solche Begegnungen sind besonders wertvoll, um bestehende Kooperationen weiter zu vertiefen und neue Impulse für gemeinsame Projekte zu entwickeln. Ich erwarte eine spannende Diskussion, denn im Energiesektor stehen unsere beiden Länder vor sehr ähnlichen Herausforderungen. Gerade deshalb können wir viel voneinander lernen.

EEHH: Lassen wir uns abschließend in die Zukunft blicken. Wie könnten der EEHH-Cluster und die politische Ebene eine stärker forschungsorientierte Zusammenarbeit mit Japan unterstützen?

Prof. Özaslan: Entscheidend ist ein respektvoller, offener, vertrauensvoller und kontinuierlicher Austausch zwischen den verschiedenen Interessensgruppen beider Länder, also zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Dazu gehören auch regelmäßiger Besuch vor Ort, um sich besser kennenzulernen und gegenseitiges Vertrauen auszubauen.

Formate wie gemeinsame Workshops und die Verknüpfung mit der universitären Ausbildung können hier eine wichtige Rolle spielen. Zu all dem können sowohl die Politik als auch das EEHH-Cluster einen wichtigen Beitrag leisten. Darüber hinaus können weitere Instrumente wie gemeinsam geförderte Forschungsinitiativen die Zusammenarbeit zusätzlich beschleunigen und nachhaltig gestalten.

Frau Prof. Özaslan, vielen Dank für das informative Gespräch.

Über Jingkai Shi

Profilbild zu: Jingkai Shi

Hamburg ist die Modellregion der Energiewende und deutsche Windhauptstadt mit Verbindungen in die ganze Welt. Die lokale Erneuerbare Energien-Branche ist damit ein zentraler Partner für die internationale Energiewirtschaft. Als Ansprechpartner für internationale Kooperation im Bereich Erneuerbare Energien betreue ich die Beziehung des EEHH-Clusters zu internationalen Branchenetzwerken, unterstütze die EEHH-Mitglieder bei ihren Auslandsaktivitäten und trage mit Social-Media-Aktivitäten zu einer stärkeren Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Hamburg auf der Weltbühne bei.

von Jingkai Shi