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Mitmachen statt Blockieren: Wie ehrliche Beteiligung die Akzeptanz für Erneuerbare sichert Interview mit Reinhard Christiansen, Grenzland Bürgerenergie Genossenschaft

Akzeptanz ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt der Energiewende. In Deutschland gab es im Jahr 2023 über 100 Bürgerbegehren, die sich gegen Erneuerbare Energien-Projekte richteten1. Hauptkritikpunkte sind meist hohe Kosten, zu wenig Dialog mit der ansässigen Bevölkerung zu Vorteilen der Projekte und Desinformationskampagnen. (Finanzielle) Beteiligung der Menschen vor Ort und tragfähige Zukunftsaussichten können dem entgegenwirken. Wie das funktioniert, erklärt Reinhard Christiansen von Grenzland Bürgerenergie im EEHH-Interview.

Mitmachen statt Blockieren: Wie ehrliche Beteiligung die Akzeptanz für Erneuerbare sichert
Credit Grenzland Bürgerenergie

EEHH: Wie nehmen Sie die aktuelle Stimmungslage im Kontext der Energiewende wahr? Welche Anreize können die Akzeptanz erhöhen?

Reinhard Christiansen: Ich vermisse einen klaren Kurs der Bundesregierung. Als Investor weiß ich nicht, wohin die Reise gehen soll. Ein klares Ziel wie: 100 % Erneuerbare Energien in allen Sektoren, in kürzester Zeit, sind zu erreichen! Eine breite Bürgerbeteiligung zu fördern, z.B. um einen Cent Extravergütung, wenn das Projekt eine faire Bürgerbeteiligung ermöglicht, kann ein entscheidender Hebel sein.

 

EEHH: Welche Vorbehalte und Narrative begegnen Ihnen im Kontext von EE-Projekten und Bürgerbeteiligungen. Wie lassen sich diese entkräften?

Reinhard Christiansen: Da wir unsere Projekte immer frühzeitig und ehrlich vorstellen, die Bürger einladen zur Beteiligung, die Bürger mitnehmen in jeder Phase der Projekte, werden an uns Vorbehalte in unseren Planungsgebiet nicht entgegengebracht. Im Gegenteil, es wird immer wieder mal bei uns nachgefragt, wann kann man sich wieder irgendwo beteiligen?

 

EEHH: Bei Grenzland Bürgerenergie können Bürger über Investitionen von den Solar- und zukünftig auch Wasserstofferträgen profitieren. Welche Rolle spielt dieser finanzielle Anreiz für den Einzelnen aber auch für die Region?

Reinhard Christiansen: Wir haben von Beginn an berichtet, dass die Renditen werden sehr bescheiden ausfallen. Erst muss investiert werden. Dann muss die Vermarktung aufgebaut werden. Und als Genossenschaft muss ich in der Bilanz einen Gewinn ausweisen. Erst dann kann überhaupt eine Dividende ausgezahlt werden. Es geht mehr darum: Jeder Bürger über 18 Jahre kann sich beteiligen, das Projekt unterstützen und ist dann Teil der Energiewende.

Im aktuellen Projekt wird ein Elektrolyseur inklusive H2-Tankstelle gebaut | Credit Grenzland Bürgerenergie

EEHH: Sie sind derzeit dabei ein Wasserstoffprojekt (Elektrolyseur + Tankstelle) für Grenzland Bürgerenergie aufzubauen. Haben Sie bereits Abnehmer akquirieren können?

Reinhard Christiansen: Wir haben zahlreiche Kontakte aufgenommen und beliefern auch schon Endverbraucher. Doch alles noch ohne dauerhafte Lieferverträge. Dauerhafte, lukrative Verträge können wir erst eingehen, nachdem die Anlagen von uns abgenommen sind und die Elektrolyseure eine stabile Produktion sicherstellen.

 

EEHH: Welcher Herausforderung bringt die H2-Wirtschaft im Gegensatz zu Solar für Bürgerbeteiligungen mit sich? (Risiken, Finanzierung, Erklärungsbedarfe)

Reinhard Christiansen: H2-Anlagen müssen weitgehend mit 100 % Eigenkapital plus vielleicht einer staatlichen Förderung, finanziert werden. Die Banken halten sich zurück. Die H2 Technik ist auch bedeutend anspruchsvoller als eine Solaranlage.

 

EEHH: Welche Rendite-Aussichten sehen Sie für H2 und welche regulatorischen Hürden wirken sich auf diese Aussichten aus?

Reinhard Christiansen: Wir haben von Beginn an nur die Aussage getroffen: wenn wir Tagesgeldverzinsung erreichen, dann ist es schon mal gut. Wenn es besser wird, dann ist es ein sehr erfolgreiches Projekt. Es kann besser werden, wenn die Stadtwerke, die Industrie und die Logistiker eine Umstellung auf Erneuerbare Energie und eine faire Bezahlung akzeptieren. Dieser Weg muss gegangen werden. Das ist nicht zu erreichen, wenn man nicht bereit ist zu Beginn der Transformation auch einen höheren Preis zu zahlen.

 

1 Auswertung von Verein Mehr Demokratie e.V., Berichterstattung von tagesschau.de: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/energiewende-buergerbegehren-100.html

Im Interview

Reinhard Christiansen, Geschäftsführer der Grenzland Bürgerenergie Genossenschaft, ermöglicht es Bürgern und Unternehmen, in erneuerbare Energien zu investieren und aktiv an der Energiewende teilzuhaben. Der Fokus liegt auf grünem Wasserstoff, Solarenergie und nachhaltigen Infrastrukturprojekten.

Über Tim Zeige

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Als Projektleiter Wasserstoffwirtschaft Norddeutsches Reallabor (NRL) & operative Begleitung der Norddeutschen Wasserstoffstrategie (NDWS) unterstütze ich das Team der EEHH vielfältig: (B2B) Kommunikation & Marketing, Redaktionelle Tätigkeiten Events uvm. Besonders treibt es mich an meine Fähigkeiten einzusetzen, um innovativen Technologien wie Wasserstoff eine Bühne zu bieten.

von Tim Zeige