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Elektrolyseure als Flexibilitätsplattform: Warum Systemdienlichkeit jetzt zählt
Der Ausbau erneuerbarer Energien bringt das Stromnetz an seine Grenzen –
Der Ausbau erneuerbarer Energien bringt das Stromnetz an seine Grenzen – doch Elektrolyseure können weit mehr als nur Wasserstoff erzeugen. Ein neues Whitepaper von Quest One zeigt, wie systemdienlich betriebene Anlagen das Energiesystem stabilisieren und gleichzeitig wirtschaftlicher werden.
Mehr als nur Wasserstoffproduktion
Die Energiewende stellt unser Stromnetz vor wachsende Herausforderungen. Besonders im Norden Deutschlands übersteigt die eingespeiste Windenergie regelmäßig die Aufnahmekapazität der Netze. Gleichzeitig bleibt der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft hinter den Erwartungen zurück. In diesem Spannungsfeld können Elektrolyseure eine Schlüsselrolle einnehmen – vorausgesetzt, sie werden nicht nur als passive Verbraucher, sondern als aktive, flexible Netzteilnehmer begriffen. Genau hier setzt das neue Whitepaper „Wertschöpfung durch Flexibilität: Wie Elektrolyseure neue Geschäftsmodelle im Energiesystem ermöglichen“ (Quest One White Paper: Wertschöpfung durch Flexibilität ) an.
Vom starren Verbraucher zur Flexibilitätsplattform
Das Whitepaper zeigt auf, welche konkreten Potenziale moderne Elektrolyseure bieten: Besonders PEM-Elektrolyseure können innerhalb von Sekunden auf Netz- und Marktsignale reagieren, erneuerbare Überschüsse aufnehmen und zur Frequenz- und Spannungshaltung beitragen. Der dynamische Betrieb senkt nicht nur die Strombezugskosten, sondern eröffnet auch neue Erlösquellen durch Systemdienstleistungen und die Teilnahme an Spot- und Intraday-Märkten. Entscheidend ist der Paradigmenwechsel: Eine Anlage wird nicht mehr nach Volllaststunden bewertet, sondern nach ihrem Beitrag zum Gesamtsystem.
Netzanschluss: Kompromiss zeigt – Dialog wirkt
Die im Whitepaper beschriebene Systemdienlichkeit gewinnt auch regulatorisch an Bedeutung. 2025 haben die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber gemeinsam mit dem Deutschen Wasserstoff-Verband (DWV) ein Kompromisspapier zu den technischen Netzanschlussanforderungen für Elektrolyseanlagen erarbeitet. Quest One war im Rahmen der DWV-Taskforce „Netzanschluss“ an diesem Prozess beteiligt. Damit wird der Markthochlauf nicht durch überzogene Frühphasenanforderungen gebremst – und Themen wie FRT-Fähigkeit, dynamische Netzstützung und frequenzabhängige Leistungsanpassung, die das Whitepaper als Flexibilitätshebel beschreibt, bekommen einen klaren Entwicklungspfad.
Was die Branche jetzt braucht
Der erzielte Kompromiss zeigt: Konstruktiver Dialog zwischen Industrie und Netzbetreibern liefert Ergebnisse. Damit Elektrolyseure ihr volles Potenzial als Flexibilitätsplattformen entfalten, braucht es darüber hinaus klare Rahmenbedingungen: eine beschleunigte Wasserstoffinfrastruktur, verlässliche Vergütung für Systemdienstleistungen und verbindliche Standards für die Netzintegration. Denn Systemdienlichkeit wird nur dann wirtschaftliche Realität, wenn technische Fähigkeiten und regulatorischer Rahmen zusammenspielen.
Autoren
Ludwig Maul
Ludwig Maul arbeitet seit 2022 bei Quest One als Experte für Netzanschluss und Transformatorentechnik im Team Power Electronics. Seit 2023 verantwortet er die Entwicklung der Leistungsversorgung der Multi-Megawatt-Anlagenserie MHP. Darüber hinaus vertritt er das Unternehmen in fachlichen Gremien, darunter FNN, Deutscher Wasserstoffverband und DKE. Sein Schwerpunkt liegt auf Netzverträglichkeit, Netzanschlusskonzepten sowie der normativen Einbindung leistungselektronischer Systeme in Hoch- und Mittelspannungsnetze.
Stefan Marquardt
Stefan Marquardt ist seit 2019 bei Quest One (H-TEC SYSTEMS) und leitet seit 2023 das Team Power Electronics. In dieser Rolle verantwortet er die Entwicklung leistungselektronischer Systeme für industrielle PEM-Elektrolyseure im Multi-MW-Bereich – von Gleichrichtertopologien und Stromschienendesign bis zur Netzintegration. Zuvor trieb er als Chief Engineer die Plattformentwicklung des 350-kW-Elektrolyseurs ME100 voran und entwickelte modulare Einspeiseschränke mit aktiver Oberschwingungsfilterung. Er vertritt das Unternehmen in Fachgremien wie dem Deutschen Wasserstoff-Verband und der DKE. Sein Fokus liegt auf der Schnittstelle zwischen Leistungselektronik, Netzanschluss und systemdienlichem Anlagenbetrieb.